Einige kicherten leise vor sich hin.
„Sie arbeiten wahrscheinlich für ein lächerliches Gehalt in irgendeiner Bibliothek oder einem Archiv“, fuhr er verächtlich fort.
Igor brach in lautes Gelächter aus.
„Weißt du noch, wie wir ihn genannt haben?“, fügte er hinzu und blickte sich verschwörerisch um. „Den Buhmann.“
Die Gruppe lachte erneut, während Maria sie ruhig beobachtete.
Einst hätten diese Worte sie tief verletzt. Sie war ein schüchternes Mädchen gewesen, das die alten Pullover ihres Bruders trug, eine große Brille aufhatte und sich stets hinter ihren Büchern versteckte. Sie half anderen bei den Hausaufgaben, ließ ihre Klassenkameraden abschreiben und erzielte bei Prüfungen die beste Note der Hälfte der Klasse – und erntete dafür nur Spott.
Fünfzehn Jahre später sah sie dieselben Gesichter, dieselbe Haltung, und ein dünnes Lächeln huschte über ihre Lippen. In ihren Augen war kein Zorn, nur eine unglaublich feste Ruhe. Diese Leute hatten sich kein bisschen verändert, und sie würden es niemals verstehen.
Maria stellte ihr Glas langsam auf den Tisch, bereit, es abzustellen, als ein Mann in einem eleganten Anzug an ihren Tisch herantrat.
„Na, Musterschülerin, hat dir deine Goldmedaille denn was gebracht? Sieh dir an, was aus uns geworden ist und wie erbärmlich du bist.“ Bei einem Klassentreffen neckten ehemalige Mitschüler das schüchterne Mädchen, weil sie dachten, sie sei immer noch so still und brav wie eh und je. Doch was sie dann tat, schockierte alle.
— Entschuldigen Sie… darf ich Sie einen Moment lang stören? — fragte er und wandte sich an Maria.
Alle am Tisch schwiegen überrascht.
„Meine Frau schaut jeden Abend Ihren Sender“, fuhr der Mann fort. „Sobald sie Sie am Eingang sah, bat sie mich, ein Foto mit Ihnen zu machen.“
Er reichte Maria das Telefon. Sie lächelte leicht.
— Klar, kein Problem.
Sie machten schnell das Foto, und der Mann kehrte mit einem dankbaren Nicken an seinen Tisch zurück.
Sofort herrschte Stille am Tisch der alten Freunde. Lilia runzelte verwirrt die Stirn.
„Warte …“, sagte er langsam. „Du … wer bist du?“
Maria blickte ihr gelassen in die Augen.
„Ich bin Journalist“, antwortete er mit fester Stimme.
Igor lachte skeptisch in sich hinein.
—Na und? Heutzutage nennt sich ja jeder Journalist.
Maria schüttelte leicht den Kopf.
„Ich arbeite für einen nationalen Fernsehsender“, sagte er. „Ich moderiere investigative Sendungen.“
Lilia griff nach ihrem Handy und begann hektisch nach etwas zu suchen.
Nach wenigen Sekunden veränderte sich sein Gesichtsausdruck, er wurde fast blass. Auf dem Bildschirm erschien ein Foto von Maria im Fernsehen, begleitet von folgender Überschrift:
„Maria Volkova – eine Journalistin, deren Recherchen Dutzende hochkarätige Korruptionsfälle aufgedeckt haben.“
Lilia senkte langsam das Telefon.
„Bist du das?“, fragte er mit leiser Stimme.
Maria nickte ruhig.
„Ich bin nicht durch Empfehlungen oder Beziehungen ins Fernsehen gekommen“, sagte sie. „Ich habe hart gelernt und hart gearbeitet.“
Er hielt kurz inne und blickte sich um, um die anderen am Tisch zu betrachten.
— Das ist alles.
Es war kein Lachen mehr zu hören. Niemand wagte zu antworten. Die Stille war bedrückend, fast unwirklich.
„Na, Musterschülerin, hat dir deine Goldmedaille denn was gebracht? Sieh dir an, was aus uns geworden ist und wie erbärmlich du bist.“ Bei einem Klassentreffen neckten ehemalige Mitschüler das schüchterne Mädchen, weil sie dachten, sie sei immer noch so still und brav wie eh und je. Doch was sie dann tat, schockierte alle.
Maria stand auf, nahm ihre Tasche und fügte ruhig hinzu:
— Es war schön, dich wiederzusehen.